Factoring-ABC
Wir geben Ihnen einfache, leicht verständliche Antworten auf Ihre Fragen. Hier finden Sie Erklärungen zu allen wichtigen Begriffen rund um Factoring von A wie Ausfallrisiko bis Z wie Zessionskredit.
(A) |
Grundlage dieser Finanzierungen ist der Verkauf von Forderungen aus Außenständen eines Unternehmens. Mit dieser Finanzierungsmethode kann man sowohl die Liquiditätsversorgung als auch die Sicherung der Außenstände gegen Zahlungsausfall erreichen.
Asset Backed Securities (ABS)
Bei der Finanzierung durch Asset Backed Securities (ABS) werden Forderungspakete an eine eigens gegründete Fondsgesellschaft verkauft, die durch Ausgabe von Wertpapieren die angekauften Forderungen refinanziert.
Ausfallrisiko
Risiko des teilweisen oder vollständigen Forderungsverlustes aufgrund der Zahlungsunfähigkeit des Abnehmers. Der Factor übernimmt es immer zu 100 % und regresslos.
Außenstände
Unbezahlte Rechnungen, die zulasten der Liquidität gehen. Betriebswirtschaftlich gesehen totes Kapital, das mit Hilfe von Factoring aktiviert wird.
(B) |
Basel II
Das bislang gültige Eigenkapitalabkommen (Basel I) von 1988 hat eine pauschalierte Eigenkapitalquote von 8 % für Kreditrisiken gefordert. Das zweite Konsultationspapier, das der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht im Januar 2001 (Basel II) vorgelegt hat, sieht nun eine stärkere Differenzierung unter Berücksichtigung operationaler und rechtlicher Risiken vor. Ziel ist es, die Risiken der Banken individueller zu messen. Geringere Risiken können dann mit einer geringeren (mind. 1,6 %), schlechte Bonitäten mit einer höheren Eigenkapitalquote (max. 12,0 %) hinterlegt werden.
Beteiligungskapital
Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel, die von Beteiligungsgesellschaften in nicht börsennotierte Unternehmen investiert werden.
Bonität
Kreditwürdigkeit von Geschäftspartnern. Die laufende Bonitätsprüfung der Abnehmer gehört zum Service des Factors. Sie ist auch mitentscheidend für die Höhe des Factoringentgelts.
Branchen
Neben verarbeitender Industrie und Großhandel nutzen auch die Unternehmen der Dienstleistungsbranchen die Vorzüge des Factorings. Für Branchen, die Auslandsgeschäfte betreiben, ist Factoring fast ein Muss.
(C) |
Internationales Export-/Import-Factoring
(D) |
Kundenbuchhaltung. Wichtigste Aufgabe ist die Überwachung der Zahlungseingänge. Wird im Rahmen des Factoringvertrages vom Factor übernommen.
Debitorenmanagement
Umfasst Debitorenbuchhaltung sowie regelmäßige Bonitätsprüfung, Mahnwesen und Inkasso. Innerhalb des Unternehmens oftmals nur mit hohem Zeit- und Personalaufwand zu erledigen. Gehört komplett zum Serviceangebot des Factors.
Delkredere
Haftung des Factors für teilweisen oder vollständigen Forderungsverlust aufgrund der Zahlungsunfähigkeit eines Abnehmers. Zahlungsunfähigkeit gilt nach einer festgelegten Frist ohne speziellen Nachweis als eingetreten, wenn der Abnehmer nicht gezahlt und keine Einwände gegen seine Zahlungspflicht erhoben hat.
Deutscher Factoring-Verband e.V.
Wirtschaftsverband zur Förderung der geschäftlichen Interessen der führenden Factoringinstitute in Deutschland. Die VR FACTOREM GmbH ist Mitglied des Verbands.
(E) |
Eigenkapitalquote
Kennzahl aus der Bilanzanalyse, bei der das Eigenkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt wird.
Export-Factoring
Factoring für grenzüberschreitende Waren- und Dienstleistungsgeschäfte, bei denen inländische Unternehmen (Exporteure) die Leistungen eines Factors in Deutschland in Anspruch nehmen. Die Abwicklung erfolgt entweder auf direktem Wege oder unter Einschaltung eines Korrespondenzpartners in den jeweiligen Ländern.
(F) |
Factoring
Unter Factoring versteht man den Kauf von Geldforderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen. Factoring dient der kurzfristigen Umsatzfinanzierung und dem 100 %igen Schutz vor Forderungsausfällen; zum Factoring gehört ein effizientes Debitorenmanagement.
Factoring (echtes)
Der Factor hat keine Rückgriffsmöglichkeit auf seinen Factoring-Kunden, d.h. er übernimmt bei Zahlungsunfähigkeit des Abnehmers das volle Ausfallrisiko.
Factoring (unechtes)
Der Factor hat die Möglichkeit, bei Zahlungsunfähigkeit des Abnehmers auf den Factoring-Kunden zurückzugreifen.
Factoringgebühr
Preis für die Übernahme des Ausfallrisikos und des Debitorenmanagements. Richtet sich nach Risiko und Arbeitsaufwand und liegt zwischen 0,5 und 3 % vom Bruttoumsatz des angekauften Forderungsbestandes.
Forfaitierung
Mit Forfaitierung bezeichnet man eine Form der Exportfinanzierung, bei der ein Finanzinstitut (Forfaiteur) mittel- bis längerfristige Exportforderungen ankauft. Der Forfaitierung liegen abstrakte Zahlungsforderungen, z.B. Wechsel- oder Buchforderungen, zugrunde.
(G) |
Geldforderungen
Außenstände aus Warenlieferungen und Dienstleistungen; sie unterliegen – ohne Factoring – bis zur endgültigen Bezahlung immer einem Ausfallrisiko. Durch den Verkauf einer Geldforderung an den Factor erhält der Lieferant sofortige Liquidität – cash.
Gemeinsamer Europäischer Markt
Durch den gemeinsamen Europäischen Markt hat sich seit 1993 der Wettbewerb, vor allem für mittelständische Unternehmen, verschärft, ihnen gleichzeitig aber neue Marktchancen eröffnet. Factoring bietet den Unternehmen den Vorteil, ihren Abnehmern die im Ausland üblichen längeren Zahlungsziele einräumen zu können und sich gegen hohe Ausfallrisiken abzusichern.
(I) |
Inkasso
Einzug von Forderungen; im Rahmen des Factoring gehört das Inkasso zur Übernahme des professionellen Debitorenmanagements.
Insolvenz
Dauernde Unfähigkeit, fällige finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist mit 31.300 nach wie vor auf einem hohen Niveau. Der damit verbundene Absicherungsbedarf vor Forderungsausfällen gewinnt zunehmend mit an Bedeutung.
Insolvenzordnung, neue
Am 01.01.1999 ist die neue Insolvenzordnung in Deutschland in Kraft getreten. Sie schränkt die Sicherungsrechte von Banken und Sparkassen für eingeräumte Kredite weiter ein. Die Forderungsfinanzierung der Factoringinstitute ist hiervon nicht betroffen.
(K) |
Kosten des Factorings
Die Kosten des Factorings setzen sich aus den Zinsen für die Finanzierung der Forderungen und dem Factoringgebühr zusammen. Die Zinsen entsprechen den banküblichen Kontokorrentzinsen, die Laufzeit wird anhand des Zahlungseingangs der ausstehenden Forderungen berechnet. Fallweise können für die Bonitätsprüfung weitere Kosten hinzu kommen.
Kreditversicherung
Weitere Möglichkeit, sich vor Ausfallrisiken zu schützen. Im Gegensatz zum Factor übernimmt der Kreditversicherer das Risiko nicht zu 100 %. Kreditversicherungsprämien können im Rahmen einer Factoring-Zusammenarbeit eingespart werden.
Kunden des Factors
Erfolgsorientierte mittelständische Unternehmen mit gewerblichen Abnehmern; meist Lieferanten (Hersteller bzw. Großhändler von Roh-, Halbfertig- oder Fertigprodukten), in zunehmendem Maß aber auch Dienstleister.
(L) |
Liquidität
Wird vom Factor umsatzkongruent bereitgestellt; betriebswirtschaftliche Grundbedingung für soliden geschäftlichen Unternehmenserfolg. Wird oftmals durch hohe Außenstände gefährdet.
(M) |
Mahnwesen
Teil des Debitorenmanagements, der bei den meisten Factoringvarianten auf den Factor übertragen wird.
Mittelständische Unternehmen
Können vom Factoring in besonderem Maße profitieren. Chancen und Probleme des gemeinsamen europäischen Markts betreffen mittelständische Unternehmen besonders. Ihr Kreditrahmen bei den Banken ist oftmals eng bemessen. Fehlende Kenntnisse über Abnehmer und Handelsusancen vor Ort.
(N) |
Nutzen des Factorings
Verbesserte Liquidität durch Abbau der Außenstände, finanzielle Stärke durch garantierte Wachstumsfinanzierung, Einsparungen beim Einkauf durch Skonti und Rabatte, Sicherheit vor Zahlungsausfällen zu 100 %, Erschließung von Ertragspotenzialen: Kostenersparnis für das Debitorenmanagement, laufende Bonitäts-Kontrolle/-beurteilung der Debitoren, zusätzliche Verbesserung der Bilanzstruktur und des Standings bei Banken und Lieferanten, positives Rating – starke Position im Markt, Wegfall der Kosten für eine Kreditversicherung.
(O) |
Offenes Factoring
In Deutschland vorherrschende Form des Factorings, bei dem die Debitoren über die künftige Zusammenarbeit mit dem Factor informiert werden. Im Gegensatz dazu: stilles Factoring.
Ottawa-Konvention
Ende 1998 ist die Ottawa-Konvention über internationales Factoring in Deutschland in Kraft getreten. Sie geht mit ihrem Regelungsinhalt weit über das Factoringgeschäft hinaus und vereinfacht die Abtretung von Forderungen im grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehrs generell. Dadurch wird die Finanzierung des Exports erleichtert.
Outsourcing
Rationalisierung durch gezielte Inanspruchnahme spezialisierter Dienstleister. Factoring ermöglicht das Outsourcing des kosten- und personalintensiven Debitorenmanagements. Die Dienstleistung des Factors trägt damit zur Rationalisierung der kaufmännischen Verwaltung bei.
(R) |
Rabatte
Bringen Kostenersparnis beim Einkauf und lassen sich in der Regel durch Bezahlung erwirken. Da im günstigen Einkauf der halbe Gewinn liegt, ist dies ein wichtiges Instrument zur Ertragssteigerung. Ohne ausreichende Liquidität allerdings kaum zu realisieren.
Rating
Das Rating ist ein einzigartiger Indikator zur Vorhersage der Unternehmensstabilität und des mit dem Unternehmen verbundenen Insolvenzrisikos. Es verknüpft die Tatsachenbetrachtung der bisherigen Unternehmensentwicklung mit der Prognose zur weiteren Entwicklung und ist somit ein unverzichtbares Instrument für ein erfolgreiches Risiko-Management.
Risikoübernahme
Wichtige Leistung des Factors: Erfolgt beim Factoring – im Gegensatz zur Warenkreditversicherung – immer zu 100 %! Der Factor trägt regresslos das volle Ausfallrisiko bei Insolvenz des Abnehmers ohne speziellen Nachweis (unterstellter Delkrederefall).
(S) |
Service des Factors
Entlastet die Buchhaltung des Unternehmens. Umfasst das gesamte Debitorenmanagement und weitere Teilleistungen z. B. Informationen über Zahlungsverhalten der Debitoren/Abnehmer.
Sicherheitseinbehalt / Sperrkonto
Dient dem Factor zum Ausgleich von Rabatten, Skonti oder Mängeleinreden. Beträgt meistens zwischen 10 % und 20 % der gekauften Forderung, wird bei Zahlungseingang oder im Delkrederefall (120 Tage nach Fälligkeit) verrechnet bzw. ausbezahlt.
Stammkunden
Wichtigste Kundengruppe jedes Unternehmens. Nimmt häufig weitgefasste Zahlungsziele in Anspruch. Mittelständische Unternehmen mit vielen Stammkunden sind typische Factoringnutzer.
Stilles Factoring
Seltenere Variante ohne Offenlegung der Abtretung. Stellt höhere Bonitätsanforderungen an den Factoringnehmer, da Zahlungen der Debitoren bei Fälligkeit weiterhin an den Fatoringnehmer (erhöhtes Zahlungsweiterleitungsrisiko) erfolgen.
(Z) |
Erfolgen unmittelbar nach Ankauf der Forderungen. Bis zu 90 % sofort, die Restsumme dient als Sicherheitseinbehalt und wird nach Zahlungseingang unter Berücksichtigung von Skonti, Rabatten oder Retouren bzw. im Delkrederfall (120 Tage nach Fälligkeit) überwiesen.
Zahlungsziele
Zahlreiche Unternehmen räumen ihren Kunden aus Wettbewerbsgründen Zahlungsziele bis zu 90 Tagen ein. Für sie eignet sich Factoring besonders.
Zessionskredit
Es handelt sich um einen kurzfristigen Kredit, der durch globale Abtretung offener Forderungen an ein Kreditinstitut gesichert wird. I. d. R. beleihen Kreditinstitute aber nur inländische Forderungen und auch nur pauschal in Höhe von max. 25 % bis 40 % des abgetretenen gesamten Forderungsbestandes.

